Nachruf Verena Gysin, 29. Januar 1949 – 10 . Mai 2016

Verena Gysin kam im Jahr 2000 als Wirtschaftsfachfrau in den Botanischen Garten (BOGA). Dies zu einer Zeit, in der es nicht nur darum ging, die Zahlen in Ordnung zu halten, sondern in der sich die Institution in turbulenten Zeiten befand. Der Fortbestand des Gartens war gefährdet, da der Kanton Bern dem BOGA die bisherige finanzielle Unterstützung aus Spargründen drastisch kürzte. Es wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft und ausprobiert, eine private Trägerschaft zu bilden. Viele bangten damals um die Institution. So auch Verena Gysin. Als der damalige Direktor Professor Dr. Klaus Ammann im Februar 2006 pensioniert wurde und auch die gekürzte Subvention des Kantons gestrichen wurde, spitzte sich Frage weiter zu: Hat der BOGA noch eine Zukunft?

 

An diesem kritischen Punkt übernahm Verena Gysin die Geschäftsleitung des BOGA. Ihr war es zu verdanken, dass der BOGA gute Beziehungen zu starken Partnern fand und pflegte. Zunächst ermöglichte die Stiftung für den Botanischen Garten mit dem Fürsprecher Dr. Peter Bratschi und der Industriellenfamilie Marianne und Rudolf Styner-Wälti den Weiterbetrieb des Gartens. Ab 2010 gelang es dann in Zusammenarbeit zwischen Kanton, Stiftung, Burgergemeinde und Stadt Bern, gestützt durch einen Grossratsbeschluss und viel Goodwill von allen Seiten, eine Leistungsvereinbarung mit der Universität zur Führung des Botanischen Gartens abzuschliessen, zunächst bis 2013. Dass dies möglich wurde, war der breiten Abstützung des BOGA in der Öffentlichkeit und in verschiedenen Institutionen zu verdanken, die Verena Gysin über die Jahre sorgfältig aufgebaut und gepflegt hatte. Dies setzte sie von 2010 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2012 als Leiterin Kommunikation und Kultur des Boga erfolgreich fort. Seit 2013 wird der BOGA wieder von Kanton und Universität getragen, und die Partner unterstützen weiterhin Projekte des BOGA.

 

Verena Gysin hat in den zwölf Jahren ihres Engagements den BOGA mitgeprägt und massgeblich dafür gesorgt, dass es ihn heute so noch gibt. Nicht nur durch Fundraising, sondern auch mit ihrem unermüdlichen Einsatz für die Institution, mit ihrer inhaltlichen Arbeit, ihrem Organisationstalent und dem von ihr gepflegten Netzwerk hat sie den BOGA gestärkt. Unter ihrer Ägide wurden Dutzende kulturelle, pädagogische und botanische Veranstaltungen zunächst eingeführt und dann dauerhaft ins Programm aufgenommen. Programme für Schulklassen, Theaterstücke, Konzerte, Lesungen, Poesienächte oder Führungen gehören genauso dazu wie die Museumsnacht, die sie in den Garten holte. So gelang es Verena Gysin ein immer grösseres und vielfältigeres Publikum anzuziehen und in den Garten zu bringen.

 

„Mein Job ist so vielseitig, wie es die Pflanzenwelt im Garten ist“, sagte sie. In der Tat: Geld auftreiben, Anlässe organisieren, Marketing und Medienarbeit betreiben bis hin zum Einkauf von Geschenken für Referenten gehörten zu ihrem Job. „Vielseitigkeit ist für mich das Faszinierendste“, meinte Verena Gysin. Dabei verstand sie den BOGA jederzeit als Teamaufgabe und -leistung, wobei sie dem Team und allen Beteiligten Wege aufzeigte, den BOGA zu einem Ort der persönlichen und kulturellen Begegnung zu machen.

 

Verena Gysin setzte sich mit grosser Energie, Hingabe und Hartnäckigkeit für den BOGA ein, engagiert und selbstverständlich. Umgekehrt erlaubte diese Aufgabe ihr, die vor ihrer Zeit im BOGA bereits sehr aktiv gewesen war, es, sich noch einmal neu zu erfinden und zu entfalten. Der Botanische Garten Bern wurde für Verena Gysin zu einer Lebensaufgabe.

 

Ihre Sicherheit, dass ihr Einsatz für den BOGA das Richtige ist, verdankte sie der Einsicht, dass es darum geht, Menschen sinnvoll zusammenzubringen. Und sie war überzeugt, dass es für Jung und Alt, für Stadt und Kanton, für Bürgerinnen und Magistraten, für Einheimische und Touristen, für botanisch und kulturell Interessierte wichtig ist, einen Ort zu haben, der die Vielfalt des Lebens und deren Bedeutung für den Menschen zeigt und gleichzeitig als Rahmen dienen kann, um Menschen zusammenzubringen.

 

Den vielfältigen Aufgaben im BOGA war ein privat und beruflich abwechslungsreiches Leben vorausgegangen. Nach der Wirtschaftsmittelschule der Stadt Bern verbrachte sie zwei Jahre in Südamerika, war Geschäftsleiterin der Büchergilde Gutenberg, lebte zwei Jahre in Algerien, wurde stolze Mutter von drei Kindern und Grossmutter einer Enkelin, amtierte als Mitglied des Grossen Gemeinderats von Ostermundigen und als Präsidentin der dortigen Kulturkommission. Zudem gründete sie die Ludothek.

 

Anlässlich ihrer Pensionierung 2012 veranstaltete der BOGA zu Ehren von Verena Gysin einen Anlass, an dem weit mehr als 100 Menschen teilnahmen, darunter vier Generationen ihrer Familie. Sie blieb dem BOGA freundschaftlich verbunden. Ihren beim Abschied formulierten Wunsch, einige Mandate anzutreten, konnte sie leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verwirklichen. Verena Gysin ist am 10. Mai 2016 67-jährig gestorben.

 

Wir, die Verena als unermüdliche Kämpferin, als inspirierende Mitstreiterin, temperamentvolle Persönlichkeit und engagierte Mitarbeiterin gekannt haben, sind ihr dankbar für alles, was sie für den BOGA geleistet hat. Sie wird uns immer in guter Erinnerung bleiben. Der BOGA und seine Aktivitäten blühen weiter. Verena, Dein Einsatz hat sich gelohnt.

 

 

Prof. Dr. Markus Fischer mit dem gesamten BOGA-Team

 

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